Glossar
KI-Begriffe von A bis Z
50 Begriffe aus Technik, Recht und Projektarbeit – jeder in einem Satz erklärt, der auch dann trägt, wenn man ihn aus dem Zusammenhang nimmt. Wo ein Artikel tiefer geht, steht er dabei.
- Agent · auch: KI-Agent, AI Agent
- Ein Programm, das ein Sprachmodell handeln lässt: Es ruft Werkzeuge auf, beurteilt das Ergebnis und entscheidet über den nächsten Schritt. Die Fähigkeiten entstehen aus den Werkzeugen, nicht aus dem Modell. Mehr dazu: KI-Agenten: was dahintersteckt und wo die Grenze liegt.
- Algorithmus
- Eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung einer Aufgabe. In der KI-Diskussion wird der Begriff oft für das Gesamtsystem benutzt, was unscharf ist: Das Modell ist gelernt, der Algorithmus ist programmiert.
- Anbieter · auch: Provider
- Im Sinne der KI-Verordnung, wer ein KI-System entwickelt oder unter eigenem Namen in Verkehr bringt. Anbieter tragen den weitaus größeren Pflichtenkreis als Betreiber. Mehr dazu: Der EU AI Act im Mittelstand.
- Anonymisierung
- Die Veränderung personenbezogener Daten so, dass eine Zuordnung zu einer Person nicht mehr oder nur mit unverhältnismäßigem Aufwand möglich ist. Echte Anonymisierung ist schwerer als gedacht; häufig liegt in Wahrheit Pseudonymisierung vor. Mehr dazu: Datenschutz beim KI-Einsatz.
- Anwendungsfall · auch: Use Case
- Eine konkret beschriebene Aufgabe im Betrieb, die mit KI bearbeitet werden soll, samt Auslöser, Beteiligten, Datenlage und prüfbarem Ergebnis. Ohne diese Beschreibung ist jede Werkzeugauswahl Zufall. Mehr dazu: Anwendungsfälle finden, die sich lohnen.
- Auftragsverarbeitung · auch: AVV, Auftragsverarbeitungsvertrag
- Die Verarbeitung personenbezogener Daten durch einen Dienstleister im Auftrag und nach Weisung des Verantwortlichen. Verlangt einen schriftlichen Vertrag mit festgelegtem Inhalt. Mehr dazu: Den KI-Anbieter prüfen: Vertrag, Daten, Standort.
- Avatar
- Eine digitale Figur, die Inhalte vorträgt, mit Gesicht, Stimme und Lippenbewegung. In der Lehre ersetzt sie die Aufzeichnung eines Vortrags und lässt sich ohne Neuaufnahme ändern. Mehr dazu: Lernen mit einem sprechenden Avatar.
- Benchmark
- Ein standardisierter Test zum Vergleich von Modellen. Nützlich zur groben Einordnung, irreführend als Kaufentscheidung: Entscheidend ist, wie ein Modell Ihre eigenen Fälle löst, nicht fremde Testaufgaben. Mehr dazu: KI-Werkzeuge auswählen, ohne sich zu verlaufen.
- Betreiber · auch: Deployer
- Im Sinne der KI-Verordnung, wer ein KI-System in eigener Verantwortung einsetzt, ohne es selbst anzubieten. Das ist die Rolle, in der fast jedes mittelständische Unternehmen steckt. Mehr dazu: Der EU AI Act im Mittelstand.
- Chatbot
- Ein Programm, das in natürlicher Sprache mit Menschen interagiert. Sobald Menschen mit einem solchen System sprechen, greift in der Regel eine Transparenzpflicht: Es muss erkennbar sein, dass keine Person antwortet. Mehr dazu: Kennzeichnung und Transparenz: wann KI sich zu erkennen geben muss.
- Datenqualität
- Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Ordnung der Daten, mit denen ein System arbeitet. Der häufigste Grund, warum KI-Vorhaben im Mittelstand enttäuschen, liegt hier und nicht im Modell. Mehr dazu: Eigene Unterlagen nutzbar machen.
- Datenschutz-Folgenabschätzung · auch: DSFA
- Eine dokumentierte Vorabprüfung von Verarbeitungen mit voraussichtlich hohem Risiko für Betroffene. Bei KI-gestützter Bewertung von Menschen häufig erforderlich. Mehr dazu: Datenschutz beim KI-Einsatz.
- Deepfake
- Ein künstlich erzeugtes oder verändertes Bild, Ton- oder Videodokument, das echten Personen oder Ereignissen täuschend ähnlich sieht. Verbreitung ohne Kennzeichnung ist regelmäßig unzulässig; bei erkennbaren Personen kommen Persönlichkeitsrechte hinzu. Mehr dazu: Kennzeichnung und Transparenz: wann KI sich zu erkennen geben muss.
- Drittlandtransfer
- Die Übermittlung personenbezogener Daten in ein Land außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums. Bei KI-Diensten oft nicht im Rechenzentrum, sondern über den Support-Zugriff. Mehr dazu: Den KI-Anbieter prüfen: Vertrag, Daten, Standort.
- Einbettung · auch: Embedding
- Die Darstellung eines Textabschnitts als Zahlenreihe, die seine Bedeutung abbildet. Grundlage dafür, in eigenen Unterlagen nach Sinn statt nach Stichwort zu suchen. Mehr dazu: Eigene Unterlagen nutzbar machen.
- Feinabstimmung · auch: Fine-Tuning
- Das Nachtrainieren eines vorhandenen Modells mit eigenen Beispielen, um Stil oder Format zu prägen. Für Faktenwissen meist der falsche Weg – dafür ist die Anbindung eigener Unterlagen geeigneter und billiger. Mehr dazu: Eigene Unterlagen nutzbar machen.
- Generative KI
- Systeme, die neue Inhalte erzeugen – Text, Bild, Ton, Video, Quelltext – statt vorhandene nur einzuordnen. Der Teil der KI, der seit 2023 die Diskussion bestimmt. Mehr dazu: Was künstliche Intelligenz ist – und was sie nicht ist.
- Governance
- Die Gesamtheit der Regeln, Zuständigkeiten und Kontrollen, mit denen ein Unternehmen den KI-Einsatz steuert. Im Mittelstand reicht dafür meist ein Dokument von zwei Seiten, nicht ein Managementsystem. Mehr dazu: KI-Leitplanken: die Betriebsregelung.
- Halluzination
- Eine sprachlich einwandfreie, inhaltlich falsche Ausgabe eines Sprachmodells – eine erfundene Quelle, Zahl oder Vorschrift. Folgt aus der Arbeitsweise und lässt sich stark verringern, aber nicht ausschließen. Mehr dazu: Halluzinationen erkennen und abstellen.
- Hochrisiko-KI
- KI-Systeme in den von der KI-Verordnung gelisteten Feldern, etwa Personalauswahl, Kreditwürdigkeit oder Sicherheitsbauteile. Für sie gilt der umfangreichste Pflichtenkatalog, mit zeitlich gestaffeltem Beginn. Mehr dazu: Die Fristen der KI-Verordnung, nach Jahren sortiert.
- Inferenz
- Der Vorgang, bei dem ein fertig trainiertes Modell eine Antwort erzeugt. Die laufenden Kosten eines KI-Einsatzes entstehen hier, nicht im Training. Mehr dazu: Was KI wirklich kostet.
- KI-Kompetenz · auch: AI Literacy
- Die Fähigkeit, KI-Systeme sachkundig einzusetzen, Ergebnisse einzuordnen und Risiken zu erkennen. Artikel 4 der KI-Verordnung verpflichtet Anbieter und Betreiber, dafür zu sorgen. Mehr dazu: KI-Kompetenz: die Pflicht, die fast niemand kennt.
- KI-System
- Nach der KI-Verordnung ein maschinengestütztes System, das mit einem gewissen Grad an Autonomie arbeitet und aus Eingaben Ausgaben wie Vorhersagen, Empfehlungen oder Entscheidungen ableitet. Die Definition ist bewusst weit. Mehr dazu: Der EU AI Act im Mittelstand.
- Kontextfenster
- Die Menge an Text, die ein Modell bei einer Anfrage gleichzeitig berücksichtigen kann. Was darüber hinausgeht, muss ausgewählt oder zusammengefasst werden – der Grund, warum sehr lange Dokumente besondere Verfahren brauchen. Mehr dazu: Wie ein Sprachmodell arbeitet.
- Leitplanken
- Die verbindliche betriebliche Regelung zum KI-Einsatz: erlaubte Werkzeuge, erlaubte Daten, Prüfpflichten, Zuständigkeiten, Meldewege. Das wirksamste einzelne Dokument in diesem ganzen Feld. Mehr dazu: KI-Leitplanken: die Betriebsregelung.
- Maschinelles Lernen · auch: Machine Learning
- Verfahren, bei denen ein System Regelmäßigkeiten aus Daten lernt, statt dass ein Mensch Regeln programmiert. Oberbegriff, zu dem auch Sprachmodelle gehören. Mehr dazu: Was künstliche Intelligenz ist – und was sie nicht ist.
- Mentoring
- Eine längere Begleitung, in der fachliche Erfahrung und persönliche Entwicklung zusammenkommen und die Lösung gemeinsam erarbeitet wird. Unterscheidet sich von Beratung dadurch, dass die Fähigkeit im Haus bleibt. Mehr dazu: Mentoring, Coaching, Beratung, Training – was ist was?.
- Modell
- Das Ergebnis eines Trainings: eine Datei aus Zahlenwerten, die aus Eingaben Ausgaben erzeugt. Ein Modell ist kein Programm im klassischen Sinn und enthält kein durchsuchbares Wissen. Mehr dazu: Wie ein Sprachmodell arbeitet.
- Multimodal
- Eigenschaft eines Modells, mehrere Arten von Eingaben zu verarbeiten – Text, Bild, Ton. Praktisch relevant, wenn Fotos, Skizzen oder Formulare mit verarbeitet werden sollen.
- Offene Modellgewichte · auch: Open Weights, Open Source KI
- Modelle, deren trainierte Werte frei verfügbar sind und die man selbst betreiben kann. Ermöglichen Betrieb im eigenen Haus; die Lizenzbedingungen unterscheiden sich erheblich und sind zu prüfen. Mehr dazu: Was KI wirklich kostet.
- Parameter
- Die einzelnen gelernten Zahlenwerte eines Modells, meist in Milliarden gezählt. Die Zahl sagt etwas über die Größe und wenig über die Eignung für Ihren Fall.
- Personenbezogene Daten
- Alle Angaben, die sich auf eine identifizierte oder identifizierbare Person beziehen. Der Kundenname in einer Anfrage gehört dazu, auch wenn er nur beiläufig im Fließtext steht. Mehr dazu: Datenschutz beim KI-Einsatz.
- Pilot
- Ein zeitlich und sachlich begrenzter Ersteinsatz mit vorher festgelegten Messgrößen. Dient der Entscheidung über Ausweitung oder Abbruch – und nur dann, wenn vorher Zahlen erhoben wurden. Mehr dazu: Einen Piloten aufsetzen und messen.
- Prompt · auch: Eingabeaufforderung
- Die Eingabe, mit der ein Sprachmodell beauftragt wird. Gute Eingaben enthalten Rolle, Aufgabe, Zusammenhang, Format und Grenzen – in dieser Reihenfolge. Mehr dazu: Anweisungen, die im Betrieb funktionieren.
- Prompt Injection
- Ein Angriff, bei dem Anweisungen in Material versteckt werden, das ein System verarbeitet – in einer E-Mail, einem Dokument, auf einer Website. Die wichtigste Angriffsart gegen Agenten. Mehr dazu: KI-Agenten: was dahintersteckt und wo die Grenze liegt.
- Pseudonymisierung
- Die Ersetzung identifizierender Merkmale durch Kennzeichen, sodass eine Zuordnung nur mit zusätzlichem Wissen möglich bleibt. Pseudonyme Daten bleiben personenbezogen. Mehr dazu: Datenschutz beim KI-Einsatz.
- RAG · auch: Retrieval Augmented Generation, Abruf aus eigenen Quellen
- Verfahren, bei dem passende Abschnitte aus eigenen Unterlagen gesucht und dem Modell zusammen mit der Frage mitgegeben werden. Die übliche Art, einem Sprachmodell betriebliches Wissen zugänglich zu machen. Mehr dazu: Eigene Unterlagen nutzbar machen.
- Risikoklasse
- Die Einstufung eines KI-Einsatzes nach der KI-Verordnung: verboten, hochriskant, mit Transparenzpflicht oder ohne besondere Auflagen. Maßgeblich ist der Anwendungsfall, nicht die Technik. Mehr dazu: Der EU AI Act im Mittelstand.
- Schatten-KI · auch: Shadow AI
- Die Nutzung von KI-Werkzeugen durch Beschäftigte ohne Kenntnis oder Freigabe des Unternehmens, meist über private Zugänge. In fast jedem Betrieb vorhanden und der Hauptgrund, warum Bestandsaufnahmen unvollständig sind. Mehr dazu: KI-Leitplanken: die Betriebsregelung.
- Sprachmodell · auch: LLM, Large Language Model
- Ein Modell, das die wahrscheinliche Fortsetzung von Text berechnet und dadurch Sprache erzeugt. Es schlägt nichts nach und verfügt über keinen eingebauten Abgleich mit der Wirklichkeit. Mehr dazu: Wie ein Sprachmodell arbeitet.
- Systemanweisung · auch: System Prompt
- Die dauerhafte Anweisung an ein Modell, die Rolle, Tonfall, Grenzen und Format festlegt und bei jeder Anfrage mitgegeben wird. Der Ort, an dem betriebliche Regeln technisch verankert werden. Mehr dazu: Anweisungen, die im Betrieb funktionieren.
- Token
- Die kleinste Verarbeitungseinheit eines Sprachmodells, etwa ein halbes bis ein ganzes Wort. Verbrauchsabhängige Kosten werden nach Token abgerechnet. Mehr dazu: Was KI wirklich kostet.
- Trainingsdaten
- Die Textmengen, aus denen ein Modell gelernt hat. Sie bestimmen, was es gut kann und welche Verzerrungen es mitbringt; was nach dem Stichtag geschah, kennt es nicht. Mehr dazu: Wie ein Sprachmodell arbeitet.
- Transparenzpflicht
- Die Pflicht, offenzulegen, dass ein KI-System beteiligt ist – bei der Interaktion mit Menschen und bei künstlich erzeugten oder veränderten Inhalten. Mehr dazu: Kennzeichnung und Transparenz: wann KI sich zu erkennen geben muss.
- Vektordatenbank
- Ein Speicher für Einbettungen, der Abschnitte nach inhaltlicher Nähe findet. Technische Grundlage dafür, eigene Unterlagen durchsuchbar zu machen. Mehr dazu: Eigene Unterlagen nutzbar machen.
- Verarbeitungsverzeichnis · auch: VVT
- Die nach Artikel 30 DSGVO zu führende Übersicht aller Verarbeitungstätigkeiten mit Zweck, Datenarten, Empfängern und Löschfristen. Jeder eingesetzte KI-Dienst gehört hinein. Mehr dazu: Verarbeitungsverzeichnis und Löschkonzept.
- Verzerrung · auch: Bias
- Eine systematische Schieflage in Daten oder Ergebnissen, die bestimmte Gruppen benachteiligt. Entsteht meist aus den Trainingsdaten und fällt ohne gezielte Prüfung nicht auf. Mehr dazu: KI in der Personalarbeit.
- Wasserzeichen
- Eine maschinenlesbare Markierung in einer erzeugten Datei, die ihre künstliche Herkunft erkennbar macht. Ergänzt, ersetzt aber nicht die sichtbare Kennzeichnung. Mehr dazu: Kennzeichnung und Transparenz: wann KI sich zu erkennen geben muss.
- Werkzeugaufruf · auch: Tool Use, Function Calling
- Die Fähigkeit eines Modells, ein Programm zu starten – suchen, rechnen, Daten lesen, Einträge schreiben – und mit dessen Ergebnis weiterzuarbeiten. Die Voraussetzung für Agenten. Mehr dazu: KI-Agenten: was dahintersteckt und wo die Grenze liegt.
- Zweckbindung
- Der datenschutzrechtliche Grundsatz, dass Daten nur für den Zweck verwendet werden dürfen, für den sie erhoben wurden. Der häufigste Stolperstein, wenn vorhandene Bestände für KI genutzt werden sollen. Mehr dazu: Datenschutz beim KI-Einsatz.
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